Lockere Strähnen rund ums Gesicht, dazu funkelnde Ohrhänger: Nicole Kidmans Look vom 1. August 2006 lebt von kleinen Gegensätzen. Bei einem von Rupert Murdoch veranstalteten Fest in Kalifornien trägt sie einen hellen Mantel mit breitem Kragen. Ihr offenes Lächeln gibt der Aufnahme eine Lebendigkeit, die mir besonders gefällt.
Früher · 2006
Foto: Michael Albov · Original und Aufnahmeangaben · CC BY 2.0 · Nur skaliert, nicht retuschiert.
Bei Kate Winslets Auftritt zur 81. Oscarverleihung am 22. Februar 2009 fällt mir zuerst die erhobene Hand auf: Die kleine Winkbewegung bringt Leben in das elegante Porträt. Sie dreht den Kopf zur Kamera, während ihr Körper seitlich steht. Dazu kommt ein leichtes Lächeln, das der festlichen Inszenierung etwas Ungezwungenes gibt.
Früher · 2009
Foto: Chrisa Hickey · Original und Aufnahmeangaben · CC BY 3.0 · Nur skaliert, nicht retuschiert.
Mitten im Gespräch, die Hand zur Geste geöffnet: So zeigt sich Matt Damon am 23. Oktober 2008 bei der ONEXONE-Benefizveranstaltung in San Francisco. Von rechts ragt ein Mikrofon ins Bild, sein Blick gilt dem Gegenüber außerhalb des Ausschnitts. Dieser Interviewmoment macht die frühere Aufnahme für mich besonders anschaulich.
Früher · 2008
Foto: Seher Sikandar for rehes creative · Original und Aufnahmeangaben · CC BY-SA 3.0 · Nur skaliert, nicht retuschiert.
Spät gelesen, mehrfach verhaftet: Wie wir Sabahattin Ali gerecht werden
1940 erschien „Die Madonna im Pelzmantel“, doch in Deutschland fand der Roman erst spät Beachtung. An diesem Abstand bleibe ich hängen. Er erinnert mich daran, wie wenig der Zeitpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit über den Wert eines Buches aussagt. Bei Sabahattin Ali möchte ich deshalb genauer hinsehen: auf einen Schriftsteller, dessen Lebensgeschichte neugierig macht, aber auch die Gefahr birgt, sein Werk zu überschatten. Ali wurde als Atatürk-Kritiker mehrmals verhaftet. Auf seiner Flucht aus…
Herbst um 2.05 Uhr – und auf der anderen Erdhalbkugel wird Frühling
2.05 Uhr MESZ: Für einen Jahreszeitenwechsel ist das eine herrlich unspektakuläre Uhrzeit. Am frühen Mittwochmorgen kreuzt die Sonne den Himmelsäquator von Nord nach Süd. Damit beginnt auf der Nordhalbkugel astronomisch der Herbst. Mir gefällt diese nüchterne Präzision. Zwischen all den Gefühlen, die das Wort Herbst auslösen kann, steht plötzlich eine genaue Angabe. Sie legt den Beginn einer Jahreszeit fest, lässt unsere Stimmung dazu aber erfreulicherweise offen. Den eigentlich spannenden Teil…
Sieben von neun Grenzen überschritten: Warum Resignation die falsche Antwort ist
Sieben von neun planetaren Grenzen sind bereits überschritten. Diese Angabe aus dem jährlichen Planetary Health Check braucht für mich keine dramatische Ausschmückung. Die Autoren schlagen angesichts des Zustands der Ökosysteme Alarm. Dazu kommt ihre Einschätzung, dass die Entwicklung Richtung Kollaps viel schneller voranschreitet als bislang angenommen. Was mich daran besonders beschäftigt: Schon die Warnung ist schwer genug auszuhalten, und nun gerät auch die Vorstellung ins Wanken,…
Der blaue Planet: Sorge um ein gemeinsames Zuhause
Symbolbild: Blue Marble Western Hemisphere.jpg · Public domain · Wikimedia CommonsEin blauer Planet, dazu die Angst um seine Zukunft: Diese Verbindung hat für mich eine besondere Kraft. Die Ost-Berliner Rockband Karat brachte Anfang der 80er-Jahre im Lied „Der blaue Planet“ ihre Angst vor einem Atomkrieg zum Ausdruck. Schon der Titel öffnet dabei einen gedanklichen Raum, in dem sich politische Sorge und der Blick auf unsere kosmische Heimat begegnen können.
Ich finde diese Verbindung…
Filmförderung und die Frage, wo wir bleiben wollen
An dieser Meldung bleibt für mich vor allem ein Nebeneinander hängen: Regisseur Max Gleschinski fürchtet um die Filmförderung, möchte seine Heimatstadt Rostock aber nicht verlassen. Die politische Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern könnte sich nach der Landtagswahl nach extrem rechts verschieben. Darin steckt eine Spannung, die mich beschäftigt: Wie lässt sich an einem Ort festhalten, wenn dessen politische Zukunft Sorgen macht?
Filmförderung klingt zunächst nach Anträgen, Zuständigkeiten…
Was bleibt, wenn die Sache, für die jemand sein Leben einsetzt, immer dringlicher erscheint und die politische Antwort ausbleibt? Der Klimaaktivist Tadzio Müller, Mitbegründer des Anti-Kohle-Bündnisses „Ende Gelände“, kämpft für eine gerechtere Welt. Angesichts einer Politik, die nicht mitzieht, und zunehmend verfehlter Klimaziele fällt er in eine Depression. Mich beschäftigt daran besonders die Frage, wie viel persönliche Hoffnung ein solcher Einsatz auf Dauer tragen muss.
Ich finde es…
Für das Klima kämpfen – aber muss dafür das ganze Leben herhalten?
Wie viel darf eine gute Sache von einem Menschen verlangen? Bei Tadzio Müller bekommt diese Frage ein schmerzhaftes Gewicht. Der Klimaaktivist und Mitbegründer des Anti-Kohle-Bündnisses „Ende Gelände“ widmet sein Leben dem Kampf für eine gerechtere Welt. Doch die Politik zieht nicht mit, Klimaziele werden zunehmend verfehlt, Müller fällt in eine Depression. Mich beschäftigt daran besonders das Missverhältnis zwischen persönlichem Einsatz und politischer Handlungsmacht. Wer sein Leben einem Ziel…