Neu Sieben von neun Grenzen überschritten: Warum Resignation die falsche Antwort ist

Sieben von neun planetaren Grenzen sind bereits überschritten. Diese Angabe aus dem jährlichen Planetary Health Check braucht für mich keine dramatische Ausschmückung. Die Autoren schlagen angesichts des Zustands der Ökosysteme Alarm. Dazu kommt ihre Einschätzung, dass die Entwicklung Richtung Kollaps viel schneller voranschreitet als bislang angenommen. Was mich daran besonders beschäftigt: Schon die Warnung ist schwer genug auszuhalten, und nun gerät auch die Vorstellung ins Wanken, wie viel Zeit bleibt.

Das Wort „apokalyptisch“ setzt dafür einen gewaltigen Ton. Ich verstehe den Impuls, angesichts solcher Befunde eine Sprache zu wählen, die aufrüttelt. Trotzdem stehe ich dieser Wortwahl zwiespältig gegenüber. Wer einen drohenden Zusammenbruch beschreibt, will Dringlichkeit vermitteln. Bei mir stellt sich aber zugleich die Frage, ob das Bild vom Weltende gedanklich schon die Tür zuschlägt: Wenn ohnehin alles verloren scheint, wozu noch um Entscheidungen ringen?

Genau diesen Schluss halte ich für falsch. Aus der beschriebenen Entwicklung lässt sich kein feststehender Ausgang ableiten. Ebenso wenig wäre es redlich, sich mit einem pauschalen „Wird schon“ zu beruhigen. Ich möchte die Warnung ernst nehmen, ohne ihr eine Gewissheit hinzuzufügen, die sie nicht liefert. Das verlangt, die bedrohliche Lage anzuerkennen und die Frage nach Handlungsmöglichkeiten trotzdem offenzuhalten.

Für unsere Community wünsche ich mir deshalb Gespräche, die über das gegenseitige Bestätigen des Schreckens hinausgehen. Wir könnten politische Forderungen daran messen, ob sie der geschilderten Dringlichkeit überhaupt gerecht werden. Wir sollten nach Begründungen fragen, wenn weiteres Abwarten vernünftig erscheinen soll. Und wir dürfen Unsicherheit benennen, ohne sie als bequemen Anlass zu benutzen, den ganzen Befund beiseitezuschieben. Dafür braucht es weder demonstrative Zuversicht noch einen Wettbewerb um die düsterste Prognose.

Mein Maßstab wäre: Macht uns eine Debatte urteilsfähiger, oder lässt sie uns bloß erschöpft zurück? Die Zahl sieben von neun ist für mich ein Anlass, genauer hinzusehen und entschiedener Verantwortung einzufordern. Resignation würde ich daraus nicht zum vernünftigen Standpunkt erklären. Gerade eine so ernste Warnung verdient eine Antwort, die sich weiter mit veränderbaren Entscheidungen beschäftigt. Ein vorschnelles inneres Aufgeben wäre mir angesichts dessen, was auf dem Spiel steht, zu wenig.

Quelle: Planetary Health Check: "Es ist wirklich apokalyptisch"