
An dieser Meldung bleibt für mich vor allem ein Nebeneinander hängen: Regisseur Max Gleschinski fürchtet um die Filmförderung, möchte seine Heimatstadt Rostock aber nicht verlassen. Die politische Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern könnte sich nach der Landtagswahl nach extrem rechts verschieben. Darin steckt eine Spannung, die mich beschäftigt: Wie lässt sich an einem Ort festhalten, wenn dessen politische Zukunft Sorgen macht?
Filmförderung klingt zunächst nach Anträgen, Zuständigkeiten und Haushaltsfragen. Ich finde jedoch, dass wir sie auch als Frage danach betrachten sollten, welchen Raum wir künstlerischen Perspektiven geben wollen. Welche Geschichten halten wir für unterstützenswert? Wie viel Widerspruch möchten wir zulassen? Für mich sollte öffentliche Förderung gerade auch Arbeiten ermöglichen, die unbequem sind oder den eigenen Blick auf die vertraute Umgebung verändern.
Dabei ist mir eine Unterscheidung wichtig: Gleschinskis Sorge beschreibt eine Befürchtung. Aus den vorliegenden Angaben geht keine bereits beschlossene Kürzung hervor. Trotzdem verdient diese Sorge Aufmerksamkeit. Wir müssen meiner Meinung nach nicht warten, bis eine befürchtete Entwicklung eingetreten ist, um über unsere Ansprüche an Kulturpolitik zu sprechen. Eine solche Debatte braucht allerdings Genauigkeit, damit aus einer möglichen Entwicklung beim Weitererzählen keine feststehende Tatsache wird.
Dass Gleschinski Rostock nicht verlassen möchte, finde ich besonders nachdenkenswert. Ich lese darin eine Verbundenheit mit seiner Heimatstadt; seine weiteren Beweggründe kenne ich nicht. Daraus würde ich auch keine Pflicht zum Bleiben ableiten. Niemand sollte seine Haltung durch einen Wohnort beweisen müssen. Mir gefällt aber der Gedanke, dass die Entscheidung über die eigene Zukunft an einem Ort nicht allein von der Sorge um politische Veränderungen bestimmt werden soll.
Für unsere Community wäre das aus meiner Sicht ein guter Anlass, genauer über die Bedeutung von Kultur vor Ort zu sprechen. Mir wäre wichtig, dabei sowohl die künstlerische Freiheit als auch die konkreten Sorgen der Filmschaffenden ernst zu nehmen. Welche Erwartungen habt ihr an eine Filmförderung, die unterschiedlichen Perspektiven auch in einem politisch veränderten Umfeld Raum geben soll?