Neu Fünf Länder aus dem Rennen – ist der Atommüll damit weiter weg?

Eine kürzere Liste kann sich nach einer großen Erleichterung anhören. Bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll sind nun fünf Bundesländer als mögliche Standorte ausgeschieden. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung sucht weiter, bis zur endgültigen Entscheidung bleibt ein weiter Weg. Mich beschäftigt an dieser Nachricht der Unterschied zwischen räumlicher Nähe und gemeinsamer Verantwortung: Wie viel Interesse bringen wir einer ungelösten Aufgabe entgegen, sobald der mögliche Standort anderswo liegt?

Erleichterung würde ich niemandem vorwerfen wollen. Die Aussicht auf ein Endlager in der eigenen Umgebung kann Fragen und Sorgen auslösen; ich fände es anmaßend, darüber hinwegzugehen. Mein Anspruch an die eigene Haltung wäre trotzdem, nach dem Ausscheiden des eigenen Bundeslandes aufmerksam zu bleiben. Die Standortfrage verschwindet schließlich nicht zusammen mit einem Namen von der Liste. Für mich wäre es ziemlich bequem, das Thema genau dann anderen zu überlassen.

Ebenso wenig möchte ich den verbleibenden möglichen Standorten schon eine feste Rolle zuschreiben. Eine eingegrenzte Suche ist noch keine endgültige Entscheidung. Mir scheint diese Unterscheidung entscheidend für ein faires Gespräch: Niemand sollte gedanklich bereits zum künftigen Nachbarn eines Endlagers erklärt werden, solange die Suche läuft. Aus dem aktuellen Schritt lässt sich auch keine Aussage darüber ableiten, wann die Entscheidung fallen wird.

Von der weiteren Suche würde ich mir vor allem nachvollziehbare Begründungen wünschen. Warum scheiden Gebiete aus, weshalb bleiben andere im Verfahren? Das wären meine ersten Fragen. Den langen Weg bis zur Entscheidung würde ich weder automatisch als Gründlichkeit loben noch allein wegen seiner Länge als Versagen bewerten. Mein Urteil hinge daran, ob die einzelnen Schritte verständlich erklärt werden und Rückfragen ernst genommen werden.

Hier in der Community könnten wir mit einer unbequemen Selbstprüfung anfangen: Würden wir dieselben Maßstäbe an die Suche anlegen, wenn unser eigener Wohnort sicher aus dem Blick wäre? Ich möchte darauf mit Ja antworten können. Fünf Bundesländer weniger geben Anlass, über den Fortgang zu sprechen. Für einen kollektiven Schlussstrich reicht die kürzere Liste nicht.

Quelle: Endlager für Atommüll: Fünf Bundesländer weniger auf der Liste