Neu El Niño 2026: Zu wenig Wasser, zu viel Wasser – und Europas Blick darauf

Dürre und Überschwemmung passen auf dieselbe Warnliste. Bei El Niño 2026 stehen beide Gefahren im Raum, dazu mögliche Ernteausfälle. Das Phänomen könnte besonders stark ausfallen. Mich beschäftigt an dieser Aussicht, wie unterschiedlich Bedrohung aussehen kann: Wasser fehlt oder wird zur Gefahr. Schon deshalb erscheint es mir wenig sinnvoll, die möglichen Folgen auf die Frage zu verkürzen, ob uns einfach ein besonders heißes Jahr bevorsteht.

Am schwersten wiegt für mich die Möglichkeit von weltweit Hunderttausenden zusätzlichen Hitzetoten. Diese Größenordnung lässt sich kaum beiläufig lesen. Zugleich bleibt das Wort „möglich“ unverzichtbar: Es beschreibt keinen bereits feststehenden Ausgang. Ich halte es für eine anspruchsvolle, aber notwendige Aufgabe, beides gleichzeitig auszuhalten – das enorme Gewicht einer solchen Gefahr und die Unsicherheit darüber, was tatsächlich eintreten wird. Eine Warnung verdient Aufmerksamkeit, ohne dass wir sie beim Weitererzählen zur Gewissheit machen.

Dass auch Europa Folgen spüren könnte, gibt der Nachricht einen zusätzlichen Bezugspunkt. An dieser Stelle würde ich gern kurz innehalten: Braucht eine weltweite Gefahr wirklich erst einen europäischen Anknüpfungspunkt, damit sie uns wichtig erscheint? Nähe darf Interesse wecken. Als Maßstab dafür, wessen mögliche Verluste zählen, überzeugt sie mich jedoch nicht. Drohende Ernteausfälle und Überschwemmungen verdienen unsere Aufmerksamkeit auch dort, wo wir keinen Bezug zum eigenen Alltag herstellen können.

Für den Austausch hier wünsche ich mir deshalb einen Blick, der bei den betroffenen Menschen bleibt. Welche Regionen müssen womit rechnen? Wie belastbar sind die jeweiligen Erwartungen? Die knappen Angaben liefern darauf keine konkreten Antworten. Diese Lücke würde ich lieber sichtbar lassen, als gedanklich eine Weltkarte mit vermeintlich sicheren Katastrophengebieten zu füllen. Gerade bei einer so großen Spannweite möglicher Folgen möchte ich genauer wissen, statt schneller zu urteilen.

Mein Wunsch wäre, dass wir beim nächsten Gespräch über El Niño zwei Fragen nebeneinanderstellen: Was könnte geschehen, und wem gilt unsere Sorge? Die erste verlangt Wissen und sorgfältige Einordnung. Auf die zweite können wir schon jetzt eine eigene Antwort geben. Meine sollte jedenfalls weiter reichen als bis zum europäischen Wetterbericht.

Quelle: El Niño 2026 - Wo Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle drohen