Neu Stolz aufs Griechisch – oder einfach Freude am Wissen?

Auf Griechischkenntnisse stolz sein: Die Frage klingt zunächst nach einer harmlosen Einladung, das eigene Wissen zu feiern. Doch schon das Wort „stolz“ macht sie interessant. Freue ich mich über etwas, das ich gelernt habe? Oder möchte ich, dass andere mich dafür bewundern? Für mich liegt zwischen diesen beiden Haltungen ein Unterschied, über den sich nachzudenken lohnt. Und zwar auch dann, wenn die eigenen Griechischkenntnisse ziemlich überschaubar sind.

Die von Ralf bei der Kellen moderierte Rätselausgabe nimmt sich dieses Gefühls an, weil „Stolz“ zuletzt wieder häufiger in der öffentlichen Diskussion zu hören war. Ich finde das einen reizvollen Ausgangspunkt: Ein Rätsel lädt dazu ein, sich mit einer Frage zu beschäftigen, ohne die Antwort schon mitbringen zu müssen. Gerade bei einem so komplizierten Gefühl erscheint mir diese Offenheit wertvoll. Man darf überlegen, zweifeln und die erste Vermutung wieder verwerfen.

Mein Unbehagen beginnt dort, wo Stolz zur Rangordnung wird. Aus „Das habe ich verstanden“ kann gedanklich schnell „Das solltest du aber auch wissen“ werden. Dabei möchte ich Freude am eigenen Können keineswegs kleinreden. Wer sich etwas erarbeitet hat, darf das für mein Empfinden ruhig genießen. Nur braucht diese Freude kein Publikum, das sich daneben unwissend fühlen soll. Wissen gefällt mir am besten, wenn es eine Einladung zum Mitdenken enthält.

Für eine Community steckt darin eine schöne Frage: Wie feiern wir Kenntnisse, ohne daraus Eintrittskarten zu machen? Mir wäre ein Gespräch lieber, in dem jemand eine schwierige Sache verständlich erklärt, als eines, in dem alle möglichst kenntnisreich wirken müssen. Auch beim Rätseln würde ich den überraschenden Gedankengang gern genauso würdigen wie die richtige Lösung. Eine Antwort kann beeindrucken; die Erklärung dazu kann andere weiterbringen.

Vielleicht wäre meine liebste Antwort auf die Titelfrage deshalb: Ja, ein bisschen stolz schon – und neugierig auf das, was noch fehlt. Das lässt Platz für Zufriedenheit, ohne das Lernen für abgeschlossen zu erklären. Wer Griechisch kann, darf sich freuen. Wer es nicht kann, darf trotzdem mitreden und miträtseln. Spannend wird es für mich genau dann, wenn aus „Weiß ich!“ ein „Wie bist du darauf gekommen?“ wird.

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