Neu Stolz auf Deutschland – aber worauf eigentlich?

Symbolbild zum Blogthema
Symbolbild: Mohegan Tribe Community Center and Government Building in Uncasville, CT.jpg · Public domain · Wikimedia Commons

An der Frage „Darf ich stolz sein auf Deutschland?“ stört mich zuerst das kleine Wort „darf“. Als müsste irgendwo eine Genehmigungsstelle für Zugehörigkeitsgefühle sitzen. Interessanter finde ich: Worauf genau richtet sich dieser Stolz, und was folgt daraus? Zwischen der Freude über ein Land und der Vorstellung, es sei anderen überlegen, liegt für mich ein entscheidender Unterschied. Wer über Nationalstolz streitet, sollte diesen Unterschied genauer ausleuchten.

Den Anstoß zur Diskussion liefert Jürgen Klopps Position, man dürfe Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen. Finn Flebbe von den Jungen Liberalen stimmt zu; Podcasterin Jule Lobo hält einen gefühlsduseligen Nationalstolz für unnötig. Ich kann den Impuls hinter dem Nichtüberlassen verstehen: Es wäre unbefriedigend, wenn ausgerechnet diejenigen bestimmen könnten, wie Zugehörigkeit auszusehen hat, deren Vorstellungen man ablehnt. Trotzdem überzeugt mich die Begründung allein noch nicht. Ein Gefühl wird nicht deshalb sinnvoll, weil andere es für sich beanspruchen.

Mir liegt eine Verbundenheit näher, die ihren Gegenstand benennen kann. Was schätze ich? Was möchte ich erhalten, was verändern? Solche Fragen erscheinen mir ergiebiger als die Aufforderung, sich endlich stolz zu fühlen. Sie lassen außerdem Platz für Menschen, denen Deutschland viel bedeutet, die mit nationalen Symbolen aber wenig anfangen können. Auch ihre Zugehörigkeit braucht aus meiner Sicht weder ein Etikett noch eine besondere Gefühlslautstärke.

Umgekehrt möchte ich niemandem jedes warme Gefühl gegenüber dem eigenen Land als geistige Bequemlichkeit auslegen. Das wäre mir zu pauschal. Problematisch wird Stolz für mich dort, wo er Kritik als Kränkung behandelt oder andere Menschen auf Abstand halten soll. Mein Maßstab wäre deshalb: Macht diese Verbundenheit neugierig auf die Menschen, mit denen man zusammenlebt? Oder verlangt sie von ihnen erst einen Beweis, dass sie dazugehören?

Vielleicht kommen wir in der Community weiter, wenn wir weniger über die erlaubte Temperatur nationaler Gefühle streiten und genauer über deren Inhalt sprechen. Ich brauche keinen Wettbewerb darin, wer Deutschland am innigsten liebt. Spannend fände ich eine Runde, in der jede und jeder etwas nennt, das hier bewahrenswert erscheint – und etwas, das sich ändern sollte. Bei der zweiten Antwort würde ich besonders aufmerksam zuhören.

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