Neu Nach Nashorn riechen, Millionen im Blick: Was einen Zoo ausmachen sollte

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Symbolbild: Alarido e obra Quindim.jpg · Public domain · Wikimedia Commons

Nach Antilope oder Nashorn zu riechen klingt für mich erst einmal nicht nach einem erstrebenswerten Feierabend. Für den Berliner Zoodirektor Andreas Knieriem offenbar schon. An diesem ungewöhnlichen Detail bleibe ich hängen: Es vermittelt eine Begeisterung für Tiere, die wenig mit niedlichen Bildern zu tun hat. Gerade dieser Gegensatz macht mich neugierig auf einen Beruf zwischen unmittelbarer Nähe zum Tier und großer öffentlicher Aufmerksamkeit.

Kn ier iem ist Tierarzt und leitet seit 2014 sowohl den Zoo als auch den Tierpark in Berlin. Zusammen zählen die beiden Einrichtungen jährlich rund fünf Millionen Besucher. Ich finde diese Größenordnung bemerkenswert, weil sie eine Frage aufwirft: Wie lässt sich ein Ort für so viele Menschen gestalten, ohne die Tiere vor allem aus der Perspektive des Publikums zu betrachten? Besucherinteresse und Verantwortung gehören für mich zusammen, sind aber nicht automatisch dasselbe.

In Berlin sind Tiergeschichten besonders populär und waren oft auch Teil der Politik. Das erscheint mir als spannungsreiche Verbindung. Begeisterung kann Aufmerksamkeit schaffen; ich würde mir wünschen, dass daraus auch kritisches Interesse entsteht. Was erwarten wir eigentlich von einem Zoo? Einen schönen Ausflug, Wissen über Tiere, Nähe zu Lebewesen, denen wir sonst kaum begegnen? Meine Antwort wäre: Diese Wünsche verdienen eine Diskussion, gerade weil sie so selbstverständlich klingen.

Der Satz über den Geruch gefällt mir deshalb besser als jede makellose Vorstellung vom Traumberuf Zoodirektor. Er rückt etwas Körperliches und Unbequemes ins Bild. Trotzdem wäre es mir zu einfach, aus persönlicher Begeisterung schon ein Urteil über gute Leitung abzuleiten. Tierliebe ist für mich ein nachvollziehbarer Antrieb. Welche Maßstäbe eine Institution anlegt, bleibt eine eigene Frage, die ein sympathisches Detail allein nicht beantwortet.

Vielleicht liegt genau darin der Reiz dieser Geschichte: Sie lädt zum Schmunzeln ein und lässt zugleich Raum für ernsthafte Fragen. Ich wünsche mir eine öffentliche Debatte, in der beides Platz hat. Wir dürfen den Nashorngeruch am Feierabend kurios finden. Bei der Frage, was wir von Zoo und Tierpark erwarten, sollten wir dann ruhig etwas genauer werden.

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