Neu Handyspiele: Kleine Pause oder Pause vom eigenen Leben?

Symbolbild zum Blogthema
Symbolbild: Blick von Schaftreppe Pirna nach Dresden aif Innenstadt 2018.jpg · CC0 · Wikimedia Commons

In der Bahn, in der Warteschlange, im Café: Das Handy ist griffbereit, und ein Spiel passt offenbar in fast jede Lücke. Mich interessiert daran weniger die Frage, ob diese Minuten grundsätzlich verschwendet sind. Spannender finde ich: Warum verlangen wir eigentlich von jeder freien Minute eine Rechtfertigung? Niemand muss aus dem Warten ein Bildungsprojekt machen. Ein bisschen zweckloses Vergnügen darf zum Leben gehören, ohne sich als Gehirntraining oder besonders wertvolle Erholung ausweisen zu müssen.

Trotzdem überzeugt mich auch die bequeme Gegenposition nicht, nach der Spielen automatisch Entspannung bedeutet. Für mich liegt ein Unterschied zwischen einer Pause, die man bewusst wählt, und einer Beschäftigung, die jede Unterbrechung sofort ausfüllen soll. Als persönliche Prüffrage taugt deshalb vielleicht weniger: Wie lange war das Spiel offen? Sondern: War das gerade die Pause, die ich wollte? Die Antwort darf an verschiedenen Tagen unterschiedlich ausfallen.

Dazu kommt die wirtschaftliche Seite. Handyspiele sind auch ein großes Geschäft, und der Markt für Games wächst kontinuierlich. Ich finde, das gehört mit ins Bild, wenn wir über den scheinbar beiläufigen Zeitvertreib sprechen. Was für Spielende eine kleine Ablenkung ist, steht zugleich in einem kommerziellen Zusammenhang. Das macht die Freude daran nicht unecht. Es ist aber ein guter Anlass, die eigene Aufmerksamkeit als etwas Wertvolles zu betrachten, über dessen Verwendung man selbst entscheiden möchte.

Mit dem Vorwurf, Menschen würden am Handy ihr Leben verdaddeln, wäre ich vorsichtig. Dahinter steckt für meinen Geschmack ein ziemlich enger Begriff davon, was ein gelungenes Leben ausmacht. Spielen muss weder produktiv sein noch von außen interessant aussehen. Gleichzeitig sollte diese Offenheit auch für das Nichtstun gelten: aus dem Fenster schauen, Gedanken nachhängen, eine Schlange einfach nur langsam kürzer werden lassen. Auch Langeweile braucht keine Entschuldigung.

Für unsere Community fände ich deshalb einen Austausch über die Qualität solcher Pausen ergiebiger als ein gegenseitiges Aufrechnen von Minuten. Welche Spiele machen Freude, und wann fühlt sich das Weiterspielen eher beliebig an? Meine Position: Dem Spielen seinen Platz lassen, ohne ihm selbstverständlich jede freie Stelle zu überlassen. Die nächste kleine Lücke darf ein Spiel bekommen. Sie darf aber auch einfach eine Lücke bleiben.

Zum Beitrag, der diese Gedanken angestoßen hat