

Eine Raumstation verbindet man schnell mit Technik, Forschung und der Frage, wie Menschen dort überhaupt leben können. Kunst steht auf dieser gedanklichen Packliste vermutlich seltener ganz oben. Genau deshalb gefällt mir der Rückblick auf die Austromir-Mission: Vor 35 Jahren kreiste Franz Viehböck als erster und bisher einziger Österreicher um die Erde. Eine Woche verbrachte er auf der sowjetischen Raumstation MIR. Und er wirkte von dort am Kunstprojekt Artsat mit.
Gerade dieses letzte Detail bleibt bei mir hängen. Der historische Rang lässt sich knapp festhalten: der erste Österreicher im All, bis heute ohne österreichischen Nachfolger. Die Beteiligung an einem Kunstprojekt öffnet dagegen eine andere Frage: Was wollen wir eigentlich mitnehmen, wenn wir unseren vertrauten Lebensraum verlassen? Für mich gehören dazu auch Ausdruck, Spiel und die Möglichkeit, etwas ohne unmittelbar messbaren Nutzen bedeutsam zu finden.
Ich finde es reizvoll, eine Weltraummission einmal von dieser Seite zu betrachten. Bei solchen Unternehmungen kann die technische Leistung unsere Aufmerksamkeit leicht vollständig beanspruchen. Artsat setzt in diesem Rückblick einen anderen Akzent. Dass Viehböck von der MIR aus daran mitwirkte, lässt mich darüber nachdenken, wie eng unsere Vorstellung vom Weltraum manchmal ausfällt. Wir können ihn schließlich auch als Anlass für kulturelle Fragen begreifen: Welche Bilder entwerfen wir von uns, sobald wir die Erde aus der Entfernung betrachten?
Dabei möchte ich aus einer knappen Erinnerung keine große Erfolgsgeschichte für die Verbindung von Kunst und Raumfahrt machen. Über die konkrete Gestaltung von Artsat erfahren wir hier wenig. Schon die Beteiligung selbst ist für mich aber ein guter Gesprächsanlass. Eine Woche auf einer Raumstation erscheint als kurze Zeitspanne; in der Erinnerung können trotzdem sehr unterschiedliche Aspekte dieser Woche Gewicht bekommen. Mich interessiert daran besonders der Platz, den Kunst innerhalb einer solchen Mission erhielt.
Vielleicht wäre das auch eine schöne Frage für unsere Community: Welcher kulturelle Beitrag dürfte auf eurer gedanklichen Reise ins All mit? Meine Antwort müsste ich noch suchen. Einen Platz dafür würde ich jedenfalls freihalten.