Regina Ziegler: Hinter der Kamera, mitten im Aufbruch
Kaffeekompass
Bei Filmen sprechen wir gern über die Gesichter auf der Leinwand. Mich beschäftigt an der Nachricht vom Tod Regina Zieglers gerade die Arbeit dahinter: das Produzieren, das Geschichten überhaupt erst zu Filmen werden lässt. Ziegler gehörte zu den ersten Frauen, die in der Männerdomäne Film Karriere machten. Schon dieser knappe Satz gibt ihrem Lebensweg ein Gewicht, das über einzelne Filmtitel hinausreicht.
Eine der Ersten zu sein klingt im Rückblick schnell wie eine Auszeichnung. Ich finde, darin steckt auch eine Zumutung: Warum sollte das Geschlecht darüber mitentscheiden, wie selbstverständlich jemand in einem Beruf seinen Platz findet? Welche konkreten Widerstände Ziegler erlebt hat, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht sagen. Aber die Bezeichnung als Männerdomäne benennt ein Ungleichgewicht. Für mich gehört es zur Würdigung ihrer Karriere, dieses Umfeld mitzudenken.
Volker Schlöndorff, der aktuell „Heimsuchung“ gemeinsam mit ihr produziert hat, sagt: „Sie geht auf dem Höhepunkt“. Das ist ein bewegender Satz, gerade weil er den Tod mit einer Gegenwart voller Arbeit verbindet. Mir erscheint dieser Gedanke zugleich tröstlich und schmerzlich. Ein Höhepunkt ist schließlich kein natürlicher Schlusspunkt. Er kann genauso gut der Moment sein, an dem man auf das Nächste gespannt ist.
An Zieglers Weg interessiert mich deshalb besonders das Verhältnis von Geschichten und Möglichkeiten. Wir können über die Bedeutung von Filmen diskutieren, über ihre Bilder, ihre Haltung und darüber, wen sie erreichen. Doch dazu braucht es auch Menschen, die als Produzentinnen Verantwortung übernehmen. Ich wünsche mir, dass diese Arbeit in unserer Aufmerksamkeit mehr Raum bekommt. Nicht nur beim Abschied, sondern auch dann, wenn wir gemeinsam über einen Film streiten oder ihn begeistert weiterempfehlen.
Vielleicht lässt sich die Nachricht so zum Anlass nehmen, unseren Blick ein wenig zu verschieben. Wer steht hinter einem Film, dessen Geschichte uns nicht loslässt? Und wie selbstverständlich ist es inzwischen, dort eine Frau zu finden? Regina Zieglers Karriere macht für mich sichtbar, dass solche Fragen zur Filmkultur gehören. Beim nächsten Abspann ruhig etwas länger hinzusehen wäre ein kleiner, aber passender Anfang.