Handyfreie Schule: Die Erwachsenen jubeln – und die Schüler?

Das Smartphone verschwindet aus dem Schulalltag, die unterschiedlichen Erwartungen bleiben. Eine Hamburger Gesamtschule ist neuerdings handyfrei. Eltern und Lehrkräfte sind begeistert, manche Schüler fühlen sich wie in einem Sozialexperiment. Gerade dieses Nebeneinander macht die Entscheidung für mich interessant. Offenbar kann dieselbe Regel Anlass zur Freude und zum Befremden sein. Wessen Eindruck zählt, wenn wir über ihren Erfolg sprechen?

Ich kann der Idee einer handyfreien Schule einiges abgewinnen. Die Aussicht auf eine gemeinsame Zeit ohne Smartphones klingt für mich reizvoll. Ich würde gern sehen, was Schülerinnen und Schüler mit diesem Freiraum anfangen. Allerdings ist Freiraum schon meine wohlwollende Deutung: Wer das Gerät abgeben oder weglegen soll, könnte zunächst eine Einschränkung empfinden. Diese Sicht verdient ebenso viel Aufmerksamkeit wie die Begeisterung der Erwachsenen.

Am Gefühl, Teil eines Sozialexperiments zu sein, bleibe ich deshalb hängen. Daraus lässt sich nicht ablesen, wie die Regel beschlossen wurde oder welche Mitsprache es gab. Für mich ergibt sich aber eine konkrete Anforderung: Jugendliche sollten ihre Erfahrungen mit dem Verbot schildern können und mit ihren Einwänden etwas bewirken dürfen. Anhören allein wäre mir zu wenig, wenn anschließend ohnehin jedes Unbehagen als bloße Gewöhnungssache gilt.

Auch meine eigene Sympathie für die Idee braucht einen Prüfstein. Ich würde wissen wollen, ob die Beteiligten ihren Schultag als angenehmer erleben, was ihnen fehlt und welche Schwierigkeiten auftauchen. Ein weggelegtes Handy ist zunächst ein weggelegtes Handy. Ob daraus bessere Gespräche, mehr Ruhe oder ganz andere Erfahrungen entstehen, bleibt hier offen. Die erhofften Wirkungen sollte man dem Verbot nicht schon als Verdienste anrechnen.

Für unsere Community steckt darin eine lohnende Zumutung: Würden wir eine Regel auch dann ernsthaft überprüfen, wenn sie genau unserer Vorstellung von guter Schule entspricht? Ich möchte der handyfreien Schule eine Chance geben. Dazu gehört für mich die Bereitschaft, sich von den Jugendlichen überraschen zu lassen. Vielleicht fällt ihre Bilanz widersprüchlich aus. Auf dem Tisch sollte dafür Platz sein, auch wenn dort kein Smartphone mehr liegt.

Quelle: Handys verboten: Eine Schule legt das Smartphone weg

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