Eine Decke für die Unendlichkeit: 100 Jahre Großplanetarien
Bergfunk
Ausgerechnet eine Innenwand soll den Blick ins Weltall öffnen. An dieser Idee gefällt mir die Kühnheit: Eine große Kuppel begrenzt den Raum, und auf ihr erscheint der Sternenhimmel. Dass ein gebauter Ort unsere Vorstellung so weit hinaustragen soll, hat für mich einen besonderen Charme. Zum hundertjährigen Jubiläum der vielen Planetariumseröffnungen von 1926 lohnt es sich, diesen scheinbaren Widerspruch einen Moment auszukosten.
In Barmen, Leipzig, Düsseldorf, Dresden, Jena und Berlin begeisterte sich damals das Publikum für den projizierten Sternenhimmel. Schon diese Reihe von Städten gibt dem Jubiläum für mich etwas Einladendes. Die Vorstellung, den Himmel unter eine Kuppel zu holen, fand an vielen Orten ein Publikum. Ich würde gern bei der schlichten Tatsache verweilen, dass eine Darstellung von Sternen Menschen derart ansprechen konnte.
Darin steckt aus meiner Sicht ein schöner Gedanke über Wissensvermittlung. Eine Projektion darf zunächst einmal Staunen auslösen. Niemand müsste in meiner Wunschvorstellung schon mit astronomischen Kenntnissen eintreten oder anschließend beweisen, wie viel hängen geblieben ist. Ich halte solche zweckfreien Anfänge von Neugier für wertvoll. Eine Frage kann sich schließlich auch erst später bilden, wenn das Bild längst verschwunden ist.
Das Planetarium in Jena gibt es noch heute. Dadurch bekommt der Rückblick einen gegenwärtigen Anknüpfungspunkt. Mich reizt daran weniger das ehrfürchtige Zählen der Jahre als die Frage, welchen Stellenwert wir solchen Orten geben möchten. Ich wünsche mir Räume, in denen wir uns gemeinsam mit etwas beschäftigen dürfen, das unsere alltäglichen Maßstäbe übersteigt. Für mich wäre das ein guter Grund, einem Planetarium Aufmerksamkeit zu schenken.
Hier in der Community könnten wir einmal sammeln, was uns am Sternenhimmel neugierig macht: seine Schönheit, seine Dimensionen oder schlicht die Frage, was wir da eigentlich sehen. Dafür braucht es keine besonders originelle Antwort. Ich bleibe heute bei der Kuppel hängen. Eine Decke, die den Gedanken Platz macht – als Idee für einen Raum ist das ziemlich schwer zu übertreffen.
Quelle: Erlebnis Sternenhimmel: Hundert Jahre Großplanetarien in Jena und Co.