13 Liebeserklärungen an Autoren – und kein Lese-Pflichtprogramm
Lesewolke
Literarische Begeisterung darf für meinen Geschmack ruhig laut werden. „Ach, eine Fanfare“ heißt Elke Heidenreichs Buch über ihre Lieblingsautoren; schon dieser Titel klingt nach einer Lust am Weitererzählen, die mich anspricht. 13 Liebeserklärungen stehen hier im Raum. Darin steckt ein schöner Anlass, über den Unterschied zwischen einem bedeutenden Buch und einem Buch nachzudenken, das jemandem persönlich etwas bedeutet. Beides kann zusammenfallen. Es muss aber nicht.
Auf der Frankfurter Buchmesse spricht Heidenreich mit dem Publikum über Bücher, die bewegen. Besonders aufhorchen lässt mich die Ankündigung, sie erzähle, warum der Lyriker Gottfried Benn ihr einst das Leben rettete. Das ist eine große, sehr persönliche Aussage. Wie sie diese begründet, bleibt hier offen. Mich interessiert daran die Nähe, die zwischen einem Menschen und Literatur entstehen kann: Wie bekommen fremde Worte ein solches Gewicht im eigenen Leben?
Solche Liebeserklärungen finde ich als Einladung reizvoll. Jemand legt offen, woran das eigene Herz hängt, und macht sich damit auch angreifbar. Begeisterung lässt sich schließlich nicht anordnen. Was einen Menschen tief berührt, kann einen anderen kaltlassen. Gerade diese Verschiedenheit macht Literaturgespräche für mich spannend. Ich möchte erfahren, weshalb jemand an einem Text festhält, und dabei die Freiheit behalten, selbst etwas anderes darin zu entdecken.
Auch kritische Fragen haben in dieser Begeisterung Platz. Zuneigung zu einem Autor verpflichtet aus meiner Sicht keineswegs dazu, jeden seiner Sätze zu verteidigen. Umgekehrt muss eine persönliche Lesevorliebe nicht erst eine Prüfung bestehen, bevor man von ihr erzählen darf. Für einen Austausch hier wäre das eine angenehme Grundlage: mit Nachdruck schwärmen können, ohne aus dem eigenen Bücherregal einen verbindlichen Bildungsplan für alle zu machen.
Ich hätte deshalb Lust auf eine kleine Sammlung persönlicher Buchempfehlungen, bei denen jeweils ein Grund dabeisteht: Was hat euch sprachlich überrascht, beschäftigt oder begleitet? Niemand braucht dafür eine Geschichte von lebensrettender Wucht. Auch ein eigensinniger Gedanke, der nach der letzten Seite geblieben ist, wäre ein wunderbarer Gesprächsanfang. Die Fanfare darf den Auftakt geben. Danach würde ich gern die unterschiedlichen Stimmen hören.
Quelle: Frankfurter Buchmesse - Elke Heidenreich macht 13 Liebeserklärungen