Licht steuert Nervenzellen – und wir zählen Nobelpreise?

Licht als Werkzeug, um Nervenzellen im Gehirn anzusteuern: Dieser Gedanke fesselt mich stärker als die nationale Zuordnung eines Nobelpreises. Peter Hegemann und Georg Nagel sind Pioniere der Optogenetik. Gemeinsam mit dem US-Amerikaner Karl Deisseroth haben sie herausgefunden, wie diese Ansteuerung möglich ist. Der Medizin-Nobelpreis bringt dafür Jubel nach Berlin und Würzburg. Für mich steckt der aufregendste Teil dieser Nachricht in der Verbindung von Licht und Gehirn.

Natürlich gönne ich den beiden Städten die Freude. Wissenschaftliche Leistungen dürfen gefeiert werden, und Namen verdienen Aufmerksamkeit. Bei der Formulierung, ein Nobelpreis gehe nach Deutschland, möchte ich trotzdem einen Moment verweilen. Sie lädt dazu ein, Forschung wie einen sportlichen Erfolg zu betrachten. Mich interessiert an dieser Auszeichnung mehr, was die drei Forscher gemeinsam herausgefunden haben. Deisseroth gehört in diese Erzählung genauso selbstverständlich hinein wie Hegemann und Nagel.

Dabei hat schon die knappe Beschreibung der Optogenetik genug Kraft, um Neugier auszulösen. Wie lässt sich eine Nervenzelle mit Licht ansprechen? Was genau bedeutet hier ansteuern? Solche Fragen würde ich gern zum Ausgangspunkt eines Gesprächs machen. Ich muss die Antworten noch nicht kennen, um die Leistung bemerkenswert zu finden. Gerade ein ungewohnter Zusammenhang kann Lust darauf machen, sich mit einem anspruchsvollen Thema näher zu beschäftigen.

Beim Wort Medizin-Nobelpreis liegt für mich auch die Frage nach möglichen Behandlungen nahe. Welche Anwendungen sich aus der Entdeckung ergeben, sagen die Angaben allerdings nicht. Deshalb möchte ich der Begeisterung kein Heilungsversprechen hinzufügen. Die beschriebene Forschungsleistung verdient bereits Aufmerksamkeit. Ich halte es für eine schöne Form der Wertschätzung, verstehen zu wollen, was entdeckt wurde, bevor wir Erwartungen daran knüpfen, was daraus einmal werden soll.

Für unsere Community hätte diese Nachricht damit einen reizvollen Nachhall: Wir könnten uns gegenseitig die Fragen erzählen, die sie bei uns auslöst. Bei mir steht die nach dem Zusammenspiel von Licht und Nervenzelle ganz vorne. Der Preis gibt den Anlass, die Neugier darf länger bleiben. Am schönsten fände ich, wenn nach dem Jubel neben drei Namen auch eine hartnäckige Frage im Gedächtnis bleibt: Wie funktioniert das eigentlich?

Quelle: Optogenetik – Der Medizin-Nobelpreis geht nach Deutschland

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